Erste Eindrücke – Fragen tun sich auf

Gleich zu Beginn ist klar, Kristine Bilkau ist eine äußerst präzise Beobachterin. Sie seziert die Befindlichkeiten ihrer Protagonisten ganz genau, ohne sie zu zerfasern oder zu bewerten. Der direkte Blick wendet sich dem zu, was ich in Berlin tagtäglich ebenfalls beobachten kann: Die Menschen, die nicht unbedingt nach materiellem Reichtum streben und die Dinge, die sie gerne und mit Leidenschaft tun, zu ihrem Beruf gemacht haben, müssen rudern, um ihren Lebensstandard halten zu können. Waren sie früher nur für sich verantwortlich, haben sie jetzt eine größere Verantwortung übernommen, die ihnen Druck macht, den sie nicht kennen. Sie haben eine Familie gegründet. Was das heißt kann man wohl nur nachvollziehen, wenn man selbst Kind(er) hat. Plötzlich ist kaum Zeit für Dinge, die man früher immer tat, es ist immer irgendwas zu organisieren oder zu regeln … und das vor allem dann, wenn der Nachwuchs nicht ständig von anderen Menschen betreut werden soll.

Das ist eine Lebensrealität, die meiner nicht unähnlich ist. Und dennoch bleiben mir die Protagonisten erstaunlich fern. Was ich erkenne ist die Fremdbeherrschtheit durch das Kind, das alles ändert. Es ist gewollt und doch bringt es einen komplett an seine Grenzen. Kann man das, was Kristine Bilkau in den Anfangskapiteln beschreibt ohne eigenes Erleben nachvollziehen, erfassen? Die Szene, in der Isabell versucht zu üben, vorher den Kleinen zum Schlafen zu bringen und gleichzeitig unter Druck steht, weil die Handwerker gleich wieder anfangen könnten, Lärm zu machen ist so dicht, so genau, so bekannt geschildert, das ist unglaublich. Und doch habe ich das Gefühl, einen distanzierten Blick darauf zu bekommen, nicht in die Geschichte selbst abzutauchen.

Wie geht es euch, meinen Mitlesern, damit? Könnt ihr diesen äußerlichen Druck nachempfinden? Vielleicht nicht aus der Sicht der Eltern. Wie kommt ihr mit dem Stil dabei zurecht? Was geht / ging euch ganz am Anfang der Lektüre durch den Kopf? Das sind meine ersten Fragen … ich bin gespannt.